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    SaaS-Unternehmen verkaufen: Ablauf und Bewertung

    von Philipp Maßmann

    SaaS-Unternehmen verkaufen: Ablauf und Bewertung

    Ein SaaS-Unternehmen wird anders bewertet als ein klassischer Mittelständler. Statt eines reinen EBITDA-Multiples zählen wiederkehrende Umsätze, Wachstum und Kennzahlen wie die Rule of 40. Dieser Leitfaden erklärt, wie Sie Ihr SaaS-Unternehmen verkaufen, wie die Bewertung funktioniert, welche Werttreiber den Preis bestimmen und wer als Käufer infrage kommt.

    Der Artikel richtet sich an Gründerinnen und Gründer von Software- und SaaS-Unternehmen, die einen Verkauf oder Teilverkauf erwägen. Er vertieft unsere Branchenseite zu SaaS und Tech.

    Das Wichtigste in Kürze:

    • SaaS-Unternehmen werden meist über ein Vielfaches des wiederkehrenden Umsatzes (ARR) bewertet, im privaten M&A-Markt typischerweise 3x bis 6x ARR.
    • Profitable SaaS-Unternehmen werden ergänzend über das EBITDA-Multiple bewertet.
    • Die Rule of 40 verbindet Wachstum und Marge und ist eine zentrale Bewertungskennzahl.
    • Wichtigste Werttreiber sind Wachstum, Net Revenue Retention, geringe Abwanderung und eine starke Bruttomarge.
    • Käufer sind vor allem strategische Software-Anbieter, SaaS-Plattformen und Private-Equity-Investoren.

    Wie ein SaaS-Unternehmen bewertet wird

    Die Bewertung eines SaaS-Unternehmens unterscheidet sich systematisch von der eines klassischen Betriebs. Im Vordergrund stehen die Planbarkeit der Umsätze und das Wachstum, nicht nur der aktuelle Gewinn.

    Bewertung über den wiederkehrenden Umsatz

    Der zentrale Maßstab ist der wiederkehrende Jahresumsatz, im Fachjargon Annual Recurring Revenue oder ARR. Auf diesen ARR wird ein Multiplikator angewendet. Im privaten M&A-Markt liegen die Multiples laut aktuellen Daten typischerweise zwischen 3x und 6x ARR, mit einem Median von rund 4,8x (Flippa, 2025). Stark wachsende, hocheffiziente Anbieter erzielen mehr, kleinere oder langsam wachsende weniger. Diese international beobachteten Werte gelten als Orientierung, im deutschen Mittelstand bewegen sich SaaS-Bewertungen eher am unteren bis mittleren Rand der Spanne.

    Wenn das EBITDA-Multiple greift

    Profitable SaaS-Unternehmen werden ergänzend über das EBITDA-Multiple bewertet. Laut den DUB KMU Multiples für das erste Quartal 2026 liegen die EBITDA-Multiples für Software und digitale Plattformen je nach Größenklasse zwischen 6,2x und 10,4x. Welche Logik die Multiplikator-Bewertung verfolgt, zeigt unser Überblick zu den EBITDA-Multiples nach Branchen und das Ertragswertverfahren. In der Praxis betrachten Käufer meist beide Perspektiven, Umsatz- und Ertragsmultiple.

    Die Rule of 40 als Bewertungskennzahl

    Die Rule of 40 ist die wohl wichtigste einzelne Kennzahl bei der SaaS-Bewertung. Sie besagt, dass die Summe aus Wachstumsrate und Gewinnmarge mindestens 40 Prozent betragen sollte.

    Ein Unternehmen, das um 30 Prozent wächst und eine Marge von 10 Prozent hat, erreicht einen Score von 40 und gilt als gesund. Käufer nutzen die Kennzahl, um Wachstum und Profitabilität gemeinsam zu bewerten. Jede Verbesserung des Scores um zehn Punkte über 40 ist erfahrungsgemäß rund 1,0x bis 1,5x zusätzliches ARR-Multiple wert. Wichtig: Wachstum wird höher gewichtet als Marge. Ein Score von 45, der auf 35 Prozent Wachstum und 10 Prozent Marge beruht, ist für Käufer wertvoller als derselbe Score aus 5 Prozent Wachstum und 40 Prozent Marge.

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    Werttreiber: was den SaaS-Preis bestimmt

    Innerhalb der Bewertungsspanne entscheidet eine Handvoll Kennzahlen darüber, ob ein SaaS-Unternehmen am oberen oder unteren Rand verkauft wird.

    Wachstum und Net Revenue Retention

    Das Umsatzwachstum ist der stärkste einzelne Werttreiber. Käufer zahlen für nachhaltiges, organisches Wachstum deutlich höhere Multiples. Eng damit verbunden ist die Net Revenue Retention, also wie sich der Umsatz der Bestandskunden ohne Neukunden entwickelt. Eine Retention über 100 Prozent bedeutet, dass Bestandskunden auch ohne Neugeschäft mehr ausgeben, ein sehr starkes Signal.

    Abwanderung und Bruttomarge

    Eine niedrige Kundenabwanderung, die sogenannte Churn-Rate, erhöht die Planbarkeit und damit den Wert. Hohe Abwanderung dagegen drückt den Multiple, weil der Käufer ständig Umsatz nachkaufen muss. Auch die Bruttomarge zählt: SaaS-Geschäfte mit Bruttomargen von 70 bis 90 Prozent sind besonders attraktiv, weil sie skalierbar sind.

    Geringe Konzentration und Inhaberunabhängigkeit

    Wie in jeder Branche drücken ein zu großer Einzelkunde und eine starke Abhängigkeit vom Gründer den Wert. Ein SaaS-Unternehmen, dessen Vertrieb, Produkt und Schlüsselbeziehungen am Gründer hängen, trägt ein Übergaberisiko, das Käufer einpreisen. Wie sich das gezielt reduzieren lässt, zeigt unser Leitfaden zum Wert der GmbH systematisch steigern.

    Wer SaaS-Unternehmen kauft

    Die Käuferlandschaft für SaaS ist aktiv und unterscheidet sich nach Strategie und Zahlungsbereitschaft.

    Strategische Software-Anbieter kaufen, um ihr Produktportfolio zu erweitern, Kunden zu gewinnen oder Technologie zu integrieren, und zahlen oft die höchsten Multiples. Private-Equity-Investoren mit Software-Fokus verfolgen Buy-and-Build-Strategien und bauen Plattformen aus mehreren SaaS-Unternehmen. Spezialisierte SaaS-Holdings kaufen kleinere, profitable Anbieter und führen sie langfristig. Welche Gruppe welche Multiples zahlt und was sie sucht, erklärt unser Artikel zu den Käufergruppen im Mittelstand.

    So läuft ein SaaS-Verkauf ab

    Der Ablauf folgt den Phasen eines professionellen M&A-Prozesses, mit SaaS-spezifischen Schwerpunkten.

    Am Anfang stehen eine saubere Bewertung und die Aufbereitung der Metriken: ARR, Wachstum, Churn, Net Revenue Retention und Kohorten. Dann folgt die diskrete Ansprache passender Käufer, idealerweise mehrerer parallel, um Wettbewerb zu schaffen. Warum dieser Wettbewerb den Preis treibt, zeigt unser Artikel zum Bieterwettbewerb. Nach Absichtserklärung und Due Diligence, in der Käufer besonders die Kennzahlen und den Code prüfen, werden Kaufvertrag und Struktur verhandelt. Wer nicht vollständig aussteigen will, kann auch einen Teilverkauf prüfen.

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    Welche Kennzahlen Käufer prüfen

    In der Due Diligence schaut ein Käufer auf eine Handvoll Kennzahlen, die über den Wert entscheiden. Wer sie vorab sauber aufbereitet, verhandelt aus einer stärkeren Position.

    Im Mittelpunkt stehen der wiederkehrende Umsatz als ARR und MRR, die Wachstumsrate, die Abwanderung (Churn) und die Net Revenue Retention. Dazu kommen die Akquisekosten pro Kunde (CAC), der Kundenlebenswert (LTV) und das Verhältnis aus beidem. Die Bruttomarge zeigt die Skalierbarkeit, die Rule of 40 die Balance aus Wachstum und Profitabilität. Käufer prüfen außerdem die Kohorten, also wie sich einzelne Kundenjahrgänge über die Zeit entwickeln, weil daraus die Nachhaltigkeit des Geschäfts ablesbar ist. Schwächen in diesen Zahlen werden zum Preisabschlag, Stärken zum Hebel.

    So bereiten Sie den SaaS-Verkauf vor

    Der Wert eines SaaS-Unternehmens entsteht in den Monaten vor dem Verkauf, kaum im Verkaufsgespräch selbst. Drei Dinge zahlen sich besonders aus.

    Erstens die saubere Datenbasis: Käufer erwarten verlässliche, nachvollziehbare Kennzahlen über mehrere Jahre, inklusive einer klaren Trennung von wiederkehrenden und einmaligen Umsätzen. Zweitens die Reduktion der Inhaberabhängigkeit, damit Produkt, Vertrieb und Kundenbeziehungen nicht allein am Gründer hängen. Drittens die Diversifikation der Kundenbasis, damit kein einzelner Kunde den Deal gefährdet. Wer diese Punkte ein bis zwei Jahre vor dem Verkauf angeht, hebt sowohl den Multiple als auch die Abschlusswahrscheinlichkeit. Eine strukturierte Vorbereitung über mehrere Monate leistet unser Exit-Consulting-Programm.

    Der richtige Zeitpunkt für den SaaS-Verkauf

    Beim SaaS-Verkauf entscheidet das Timing stark über den Preis. Der höchste Wert wird selten dann erzielt, wenn das Wachstum bereits seinen Höhepunkt überschritten hat.

    Am attraktivsten ist ein SaaS-Unternehmen, das noch sichtbares Wachstum vor sich hat und dessen Kennzahlen gesund sind: stabiler oder sinkender Churn, wachsender wiederkehrender Umsatz und eine ausgewogene Relation aus Wachstum und Profitabilität im Sinne der Rule of 40. Ein Käufer zahlt für die erwartete Entwicklung, nicht nur für die Vergangenheit. Wer wartet, bis das Wachstum abflacht oder der Churn steigt, muss mit Abschlägen rechnen.

    Auch das Marktumfeld spielt eine Rolle. Das Interesse an SaaS-Übernahmen schwankt mit der allgemeinen Bewertungslage und der Verfügbarkeit von Kapital bei strategischen Käufern und Finanzinvestoren. In Phasen mit hoher Nachfrage nach planbaren, wiederkehrenden Umsätzen lassen sich bessere Konditionen erzielen.

    In der Praxis heißt das, den Verkauf vorzubereiten, solange die Kennzahlen überzeugen, und nicht erst, wenn der Druck steigt. Wer früh plant, kann den besten Zeitpunkt wählen, statt ihn zu verpassen. Eine fundierte Bewertung zeigt, wo das Unternehmen heute steht und ob der Moment günstig ist.

    Steuer beim SaaS-Verkauf

    Steuerlich gelten für den SaaS-Verkauf dieselben Regeln wie für andere Kapitalgesellschaften. Verkaufen Sie GmbH-Anteile aus dem Privatvermögen, greift das Teileinkünfteverfahren mit rund 28,5%. Über eine Holding ist der Gewinn nach § 8b KStG weitgehend steuerfrei. Da viele SaaS-Gründer jung sind und einen ersten Exit planen, lohnt sich die frühe Strukturierung besonders. Die Details erklärt unser Überblick zur Steuer beim Unternehmensverkauf.

    Häufig gestellte Fragen

    Wie wird ein SaaS-Unternehmen bewertet?

    Meist über ein Vielfaches des wiederkehrenden Jahresumsatzes (ARR), im privaten M&A-Markt typischerweise 3x bis 6x ARR mit einem Median um 4,8x. Profitable SaaS-Unternehmen werden ergänzend über das EBITDA-Multiple bewertet. Entscheidend sind Wachstum, Abwanderung und Net Revenue Retention.

    Was ist die Rule of 40 beim SaaS-Verkauf?

    Die Rule of 40 besagt, dass die Summe aus Wachstumsrate und Gewinnmarge mindestens 40 Prozent betragen sollte. Sie ist eine zentrale Bewertungskennzahl, weil sie Wachstum und Profitabilität gemeinsam misst. Ein höherer Score rechtfertigt ein höheres Bewertungsmultiple, wobei Wachstum stärker gewichtet wird als Marge.

    Welcher Umsatz oder Gewinn ist für den Verkauf entscheidend?

    Bei SaaS steht der wiederkehrende, planbare Umsatz im Vordergrund, nicht einmalige Projektumsätze. Ein hoher Anteil wiederkehrender Abonnementumsätze mit niedriger Abwanderung ist wertvoller als ein höherer, aber schwankender Gesamtumsatz.

    Kann ich mein SaaS-Unternehmen verkaufen, wenn es noch nicht profitabel ist?

    Ja. Bei SaaS sind Verkäufe auch ohne Gewinn üblich, wenn Wachstum und Kundenbindung stark sind. Dann steht die ARR-basierte Bewertung im Vordergrund. Käufer zahlen für Wachstum und Planbarkeit, sofern die Einheitsökonomie und die Abwanderung gesund sind.

    Wie hoch ist die Steuer beim Verkauf eines SaaS-Unternehmens?

    Beim Verkauf von GmbH-Anteilen aus dem Privatvermögen liegt die effektive Belastung über das Teileinkünfteverfahren bei rund 28,5%, über eine rechtzeitig aufgesetzte Holding nach § 8b KStG bei etwa 1,5% auf Holding-Ebene.

    Wer kauft SaaS-Unternehmen im Mittelstand?

    Vor allem strategische Software-Anbieter, Private-Equity-Investoren mit Software-Fokus und spezialisierte SaaS-Holdings. Strategen zahlen oft die höchsten Multiples, Finanzinvestoren bewerten Skalierbarkeit und Plattformpotenzial.

    Was ist der Unterschied zwischen ARR-Multiple und EBITDA-Multiple?

    Das ARR-Multiple bewertet das Unternehmen über den wiederkehrenden Umsatz und wird vor allem bei wachstumsstarken, noch wenig profitablen SaaS-Anbietern genutzt. Das EBITDA-Multiple bewertet über den Gewinn und greift bei profitablen, etablierten Anbietern. In der Praxis betrachten Käufer oft beide Perspektiven.

    Wie reduziere ich die Abwanderung vor dem Verkauf?

    Über bessere Kundenbindung: längere Vertragslaufzeiten, ein starkes Onboarding, aktives Account Management und Produktverbesserungen, die einen Wechsel unattraktiv machen. Eine über mehrere Quartale sinkende Churn-Rate ist für Käufer ein sehr positives Signal.

    Wie lange dauert der Verkauf eines SaaS-Unternehmens?

    Ein strukturierter Prozess dauert in der Regel mehrere Monate, von der Aufbereitung der Kennzahlen über die Käuferansprache bis zum Closing. Eine saubere Datenbasis und reduzierte Inhaberabhängigkeit verkürzen den Prozess und stärken Ihre Verhandlungsposition.

    Wie lange dauert der Verkauf eines SaaS-Unternehmens?

    Ein strukturierter Verkauf dauert in der Regel mehrere Monate, von der Aufbereitung der Kennzahlen über die Käuferansprache bis zum Abschluss. Eine saubere Datenbasis und ein geordneter Prozess verkürzen die Dauer und stärken Ihre Position.

    Was ist ein gutes ARR-Multiple beim SaaS-Verkauf?

    Das hängt von Wachstum, Churn und Profitabilität ab. Gesunde, planbar wachsende SaaS-Unternehmen erzielen höhere Multiples als stagnierende. Ausschlaggebend sind die Qualität der wiederkehrenden Umsätze und die Inhaberunabhängigkeit, nicht ein pauschaler Faktor.

    Quellen und weiterführende Artikel

    1. Flippa, SaaS Valuation Multiples 2025, https://flippa.com/blog/saas-multiples/
    2. DUB KMU Multiples, Q1/2026 (Software und digitale Plattformen), https://www.dub.de/kmu-multiples/

    Weiterführend: EBITDA-Multiples nach Branchen, Käufergruppen im Mittelstand und Steuer beim Unternehmensverkauf.

    Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch einen Steuerberater oder Rechtsanwalt. Die genannten Multiples sind Marktbeobachtungen und keine Zusage eines bestimmten Verkaufspreises.

    Über den Autor: Philipp Maßmann begleitet bei FISART Inhaberinnen und Inhaber mittelständischer Unternehmen durch den Verkaufsprozess, von der Bewertung bis zum Bieterwettbewerb. FISART ist die Investmentbank von Unternehmern für Unternehmer.

    Veröffentlicht am 24. Juni 2026. Zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2026.