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    Search Funds: Die neue Nachfolge-Käufergeneration

    von Philipp Maßmann

    Search Funds: Die neue Nachfolge-Käufergeneration

    Search Funds entwickeln sich im deutschen Mittelstand zu einer ernsthaften Nachfolgelösung, gerade dort, wo weder Familie noch klassischer Käufer bereitstehen. Hinter dem Modell steht ein einzelner Unternehmer, der mit Investorenkapital gezielt ein Unternehmen zur Übernahme sucht und es anschließend selbst führt. Für viele Inhaber kleinerer und mittlerer Betriebe eröffnet das eine Nachfolgeoption, die zwischen Familienübergabe und Verkauf an einen großen Investor liegt.

    Dieser Leitfaden erklärt, wie Search Funds funktionieren, was sie von anderen Käufern unterscheidet und welche Zahlen den Trend im DACH-Raum belegen. Er richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber, die ihre Nachfolge planen und die Bandbreite möglicher Käufer verstehen wollen.

    Was ein Search Fund ist

    Ein Search Fund ist ein unternehmerisches Investitionsvehikel, bei dem ein Suchender zunächst Kapital einsammelt, um ein passendes Unternehmen zu finden, zu kaufen und es danach als Geschäftsführer zu leiten. Das Modell wird auch als Entrepreneurship through Acquisition bezeichnet, kurz ETA.

    Der Suchende ist meist eine erfahrene Führungskraft oder ein Absolvent eines MBA-Programms, der nicht selbst gründen, sondern ein bestehendes Unternehmen übernehmen und weiterentwickeln will. Im Rücken stehen Investoren, oft erfahrene Unternehmer, die das Modell finanziell und mit Rat begleiten.

    Der entscheidende Punkt für Inhaber ist die Doppelrolle des Käufers. Er bringt Kapital mit, übernimmt aber selbst die operative Führung. Das unterscheidet den Search Fund grundlegend von einem reinen Finanzinvestor, der nur Kapital einsetzt. Eine Übersicht aller Käufertypen bietet unser Artikel zu den Käufergruppen im Mittelstand.

    Wie sich Search Funds von anderen Käufern unterscheiden

    Search Funds verbinden Merkmale verschiedener Käufertypen und besetzen damit eine eigene Nische. Sie sind weder klassische Strategen noch reine Private-Equity-Investoren, sondern eine Mischform mit operativem Anspruch.

    Vom strategischen Käufer unterscheidet sie, dass kein bestehendes Unternehmen integriert wird. Der Search-Fund-Unternehmer führt den Betrieb eigenständig weiter, statt ihn in eine größere Struktur einzugliedern. Vom Management Buy-In unterscheidet sie der formalisierte, kapitalgestützte Suchprozess.

    Für Inhaber ist diese Einordnung wichtig. Search Funds suchen typischerweise solide, profitable Unternehmen mit stabilen Cashflows und einer gewissen Inhaberunabhängigkeit. Sie sind besonders interessant für kleinere Mittelständler, die für große Private-Equity-Häuser zu klein, für eine Familienübergabe aber nicht geeignet sind. Welche weiteren Wege offenstehen, wenn kein Familiennachfolger bereitsteht, zeigt unser ergänzender Leitfaden.

    Der Trend in Zahlen

    Das Search-Fund-Modell wächst international deutlich, auch in Europa und im DACH-Raum. Die Zahlen belegen, dass aus einer Nischenidee ein etablierter Teil des Nachfolgemarkts geworden ist.

    Laut der IESE International Search Fund Study 2024 wurden außerhalb der USA und Kanadas rund 320 Search Funds in 40 Ländern erfasst, Stand Ende 2023. Allein 2023 kamen 59 neue Fonds hinzu, ein Rekordwert, bei 31 Akquisitionen. Über die getrackten Jahre entstanden die meisten Fonds in Spanien mit 67, gefolgt von Mexiko mit 50, Großbritannien mit 35 und Brasilien mit 34. Für Deutschland weist die Studie 20 Fondsgründungen seit 2009 aus, mit einem deutlichen Anstieg in den letzten Jahren.

    Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Kennzahlen zusammen.

    KennzahlWertQuelle
    Internationale Search Funds (außerhalb USA/Kanada)rund 320 in 40 Ländern (Stand Ende 2023)IESE 2024
    Neue Fonds 202359 (Rekordwert)IESE 2024
    Akquisitionen 2023 (international)31 (Rekordwert)IESE 2024
    Meiste Fondsgründungen (kumuliert)Spanien 67, Mexiko 50, UK 35, Brasilien 34IESE 2024
    Internationale Rendite2,0x ROI (Median 1,4x), 18,1% IRRIESE 2024
    Vergleich USA/Kanada (reiferer Markt)4,5x ROI, 35,1% IRRStanford GSB 2024

    Die internationalen Renditen sind dabei vorläufig und liegen deutlich unter dem reiferen US-Markt. Der Grund: 62 Prozent der internationalen Übernahmen erfolgten erst seit 2020, und bislang liegen nur 21 Exits vor. Sekundärquellen wie Search Fund News berichten zudem von einer weiteren Beschleunigung, mit mindestens 81 Akquisitionen weltweit in 2024 (24 in Europa) und mindestens 99 in 2025 (44 in Europa). Diese Branchenzahlen sind weniger belastbar als die akademischen Studien, deuten aber in dieselbe Richtung. Für Inhaber bedeutet der Trend eine wachsende Zahl seriöser, kapitalstarker Nachfolger, die gezielt mittelständische Unternehmen suchen.

    Ist Ihr Unternehmen für einen Search Fund interessant?

    Search Funds suchen profitable, stabile Betriebe. Unser Bewertungsrechner liefert in zwei Minuten eine indikative Wertspanne, geprüft von unserem Team.

    Welche Unternehmen für Search Funds passen

    Search Funds suchen ein klar umrissenes Profil: profitable, etablierte Unternehmen mit stabilen, wiederkehrenden Erträgen. Das Modell lebt davon, dass der laufende Cashflow die Finanzierung der Übernahme trägt.

    Typische Zielunternehmen sind gesund, aber nicht abhängig von Modetrends. Gefragt sind stabile Geschäftsmodelle, eine treue Kundenbasis und eine gewisse Tiefe im Management. Branchen mit wiederkehrenden Umsätzen oder Wartungs- und Servicegeschäft sind besonders attraktiv.

    Der mittlere internationale Search-Fund-Kauf lag laut IESE bei einem Kaufpreis von rund 11,7 Millionen US-Dollar, bei etwa 7,8 Millionen US-Dollar Umsatz, einer EBITDA-Marge von 24 Prozent und rund 50 Mitarbeitern. Diese Größenordnung passt gut zu vielen deutschen Mittelständlern, die für große Investoren zu klein sind. Im DACH-Raum liegen die Zielunternehmen laut ION Analytics typischerweise bei 2 bis 5 Millionen Euro EBITDA, mit Kaufpreisen im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich. Eine vollständige Übersicht der Nachfolgewege bietet unsere Seite zur Unternehmensnachfolge.

    Vorteile und Grenzen für den verkaufenden Inhaber

    Für viele Inhaber bietet ein Search Fund eine attraktive Mischung aus Kontinuität und sauberem Ausstieg. Der Käufer übernimmt persönlich die Führung und hat ein echtes Interesse am langfristigen Erhalt des Betriebs.

    Die Vorteile liegen in der Nachfolgelogik. Anders als ein Finanzinvestor, der oft nach einigen Jahren weiterverkauft, will der Search-Fund-Unternehmer das Unternehmen selbst über Jahre entwickeln. Das schafft Stabilität für Mitarbeiter und Kunden. Zudem ist der Käufer als Einzelperson oft nahbarer und an einer geordneten Übergabe interessiert.

    Grenzen gibt es bei Preis und Sicherheit. Search Funds verfügen über begrenztes Kapital und finanzieren stark über den Cashflow, weshalb der erzielbare Preis selten den eines strategischen Höchstbieters erreicht. Auch hängt vieles an der Person des Suchenden. Eine sorgfältige Prüfung des Käufers und seiner Investoren ist deshalb wichtig. Ein strukturierter Prozess mit mehreren Interessenten hilft, den passenden Nachfolger zum fairen Preis zu finden.

    Wie Inhaber mit Search-Fund-Anfragen umgehen sollten

    Inhaber sollten eine Search-Fund-Anfrage ernst nehmen, aber wie jedes andere Kaufinteresse professionell prüfen. Eine einzelne Anfrage ist selten die beste verfügbare Option.

    Wichtig ist, nicht aus der Defensive zu verhandeln. Wer nur mit einem Interessenten spricht, verschenkt Verhandlungsmacht. Ein strukturierter Prozess, der mehrere mögliche Käufer parallel anspricht, ordnet die Search-Fund-Anfrage in einen echten Wettbewerb ein und macht den erzielbaren Wert sichtbar.

    Vor jedem Gespräch sollte eine belastbare Bewertung stehen, damit Sie wissen, worüber Sie verhandeln. Prüfen Sie zudem die Seriosität des Suchenden und seiner Investoren sowie die Tragfähigkeit der Finanzierung. Ein erfahrener Senior-Berater kann diese Einordnung übernehmen und den Search Fund mit anderen Käuferoptionen vergleichen. Den breiteren Marktkontext liefert unser Artikel zur Nachfolgewelle im DACH-Mittelstand.

    Search-Fund-Anfrage richtig einordnen

    Bevor Sie exklusiv verhandeln, lohnt der Vergleich mit anderen Käuferoptionen. Vereinbaren Sie ein kostenloses, vertrauliches Beratungsgespräch.

    Häufige Fragen

    Was ist ein Search Fund einfach erklärt?

    Ein Search Fund ist ein Modell, bei dem ein einzelner Unternehmer mit Kapital von Investoren gezielt ein bestehendes Unternehmen sucht, es kauft und anschließend selbst als Geschäftsführer leitet. Das Modell heißt auch Entrepreneurship through Acquisition (ETA). Für Inhaber bedeutet es einen Käufer, der zugleich Kapitalgeber und künftiger operativer Leiter ist und den Betrieb über Jahre weiterentwickeln will.

    Sind Search Funds eine seriöse Nachfolgelösung?

    Ja, das Modell ist international etabliert und wächst auch im DACH-Raum. Laut IESE International Search Fund Study 2024 wurden außerhalb der USA und Kanadas rund 320 Search Funds in 40 Ländern erfasst. Wichtig ist dennoch eine sorgfältige Prüfung des einzelnen Suchenden, seiner Investoren und der Finanzierung. Wie bei jedem Käufer gilt: Seriosität und Passung sollten vor dem Verkauf genau geprüft werden.

    Welche Unternehmen suchen Search Funds?

    Search Funds suchen profitable, etablierte Unternehmen mit stabilen, möglichst wiederkehrenden Erträgen und einer gewissen Inhaberunabhängigkeit. Der mittlere internationale Kauf lag laut IESE bei rund 11,7 Millionen US-Dollar Kaufpreis, etwa 7,8 Millionen US-Dollar Umsatz und rund 50 Mitarbeitern. Diese Größenordnung passt zu vielen deutschen Mittelständlern, die für große Private-Equity-Investoren zu klein sind.

    Zahlen Search Funds einen guten Preis?

    Search Funds zahlen marktgerechte, aber selten die höchsten Preise. Ihr Kapital ist begrenzt, und die Finanzierung stützt sich stark auf den laufenden Cashflow des Zielunternehmens. Dafür bieten sie Kontinuität und einen Käufer mit langfristigem Interesse. Wer den maximalen Preis anstrebt, sollte die Search-Fund-Anfrage in einen strukturierten Prozess mit mehreren Bietern einordnen, statt exklusiv zu verhandeln.

    Wie unterscheidet sich ein Search Fund von Private Equity?

    Ein Private-Equity-Investor setzt vor allem Kapital ein und verkauft das Unternehmen meist nach einigen Jahren weiter. Ein Search-Fund-Unternehmer übernimmt dagegen selbst die operative Führung und will den Betrieb langfristig entwickeln. Für die Nachfolge bedeutet das mehr persönliche Kontinuität. Beide Käufertypen haben ihre Berechtigung, abhängig von den Zielen des Inhabers und der Größe des Unternehmens.

    Methodik und Quellen

    Die zentralen Zahlen stammen aus der IESE International Search Fund Study 2024 (Stand 31. Dezember 2023), erstellt in Zusammenarbeit mit der Stanford Graduate School of Business, sowie aus der Stanford 2024 Search Fund Study für den US- und kanadischen Markt. Ergänzende Marktbeobachtungen zum DACH-Raum stammen von ION Analytics, die Jahreswerte 2024 und 2025 von Search Fund News als Sekundärquelle. Die internationalen Renditen sind vorläufig, weil 62 Prozent der Übernahmen erst seit 2020 erfolgten und bislang nur 21 internationale Exits vorliegen. Alle Angaben sind Durchschnitts- und Medianwerte, keine Garantie für einzelne Transaktionen.


    Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

    Autor: Philipp Maßmann | Veröffentlicht: Juni 2026 | Zuletzt aktualisiert: Juni 2026