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    Agentur verkaufen: Bewertung und Werttreiber

    von Philipp Maßmann

    Agentur verkaufen: Bewertung und Werttreiber

    Agenturen sind schwerer zu verkaufen als viele andere Unternehmen, weil ihr Wert oft an Menschen und Kundenbeziehungen hängt. Genau das entscheidet über den Preis: Je weniger die Agentur vom Inhaber abhängt und je planbarer ihre Umsätze sind, desto höher die Bewertung. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Agentur verkaufen, wie sie bewertet wird, welche Werttreiber zählen und wer als Käufer infrage kommt.

    Der Artikel richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber von Werbe-, Digital-, Marketing- und Kreativagenturen. Er vertieft unsere Branchenseite zu Agenturen.

    Das Wichtigste in Kürze:

    • Agenturen werden über das bereinigte EBITDA mal einem Branchenmultiple bewertet, im Mittelstand laut DUB je nach Größe zwischen rund 3x und 7,8x.
    • Die Spanne hängt stark vom Geschäftsmodell ab: inhabergeführt am unteren, vertraglich gebunden und produktisiert am oberen Rand.
    • Wiederkehrende Umsätze aus festen Verträgen sind der stärkste Werthebel.
    • Inhaberabhängigkeit und Kundenkonzentration sind die größten Wertbremsen.
    • Käufer sind Agenturnetzwerke, strategische Wettbewerber und Private-Equity-Investoren mit Buy-and-Build-Strategie.

    Wie eine Agentur bewertet wird

    Die Bewertung einer Agentur folgt der Multiplikator-Methode: bereinigtes EBITDA mal einem branchenüblichen Faktor. Die Spanne ist allerdings breit, weil sich Agenturgeschäfte stark unterscheiden.

    Die Bewertungsspanne

    Laut den DUB KMU Multiples für das erste Quartal 2026 liegen die EBITDA-Multiples für Medien, Marketing und Agenturen je nach Größenklasse zwischen rund 3,0x und 7,8x. Innerhalb dieser Spanne entscheidet das Geschäftsmodell. Eine stark inhabergeführte Agentur mit projektbasierten Umsätzen liegt erfahrungsgemäß am unteren Rand, etwa bei 3x bis 5x. Eine Agentur mit festen Retainer-Verträgen und planbaren Erträgen erreicht eher 5x bis 7x. Produktisierte Agenturen mit standardisierten, skalierbaren Leistungen können am oberen Rand bewertet werden.

    Warum die Bereinigung so wichtig ist

    Bei Agenturen ist die EBITDA-Bereinigung besonders bedeutsam, weil das Inhabergehalt oft nicht dem Marktniveau entspricht und private oder einmalige Posten das Ergebnis verzerren. Ein sauber bereinigtes, nachhaltiges EBITDA ist die Grundlage jeder belastbaren Bewertung. Wie die Multiplikator-Logik insgesamt funktioniert, zeigt unser Überblick zu den EBITDA-Multiples nach Branchen.

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    Werttreiber: was den Agenturpreis bestimmt

    Innerhalb der Branche schwanken die Multiples erheblich. Vier Faktoren erklären den größten Teil des Unterschieds.

    Wiederkehrende Umsätze

    Der stärkste Werthebel sind planbare, wiederkehrende Umsätze aus festen Retainer-Verträgen statt einmaliger Projekte. Eine Agentur, die einen großen Teil ihres Umsatzes über laufende Verträge mit definierten Laufzeiten erzielt, ist deutlich wertvoller als eine, die jedes Jahr neu akquirieren muss. Wiederkehrende Umsätze reduzieren das Risiko für den Käufer und heben den Multiple spürbar.

    Inhaberunabhängigkeit

    Inhaberabhängigkeit ist bei Agenturen die größte Wertbremse. Wenn die wichtigsten Kundenbeziehungen, die Kreativleistung oder der Vertrieb am Inhaber hängen, fragt sich jeder Käufer, was vom Geschäft bleibt, wenn der Inhaber geht. Eine zweite Führungsebene, dokumentierte Prozesse und Kundenbeziehungen, die im Team verankert sind, heben den Wert deutlich. Wie sich das aufbauen lässt, zeigt unser Leitfaden zum Wert der GmbH systematisch steigern.

    Kundenkonzentration

    Macht ein einzelner Kunde einen großen Teil des Umsatzes aus, sehen Käufer ein Klumpenrisiko. Verliert die Agentur diesen Kunden, bricht ein wesentlicher Teil der Erträge weg. Eine breit gestreute Kundenbasis ohne dominierenden Einzelkunden ist daher ein wichtiger Werttreiber.

    Spezialisierung und Skalierbarkeit

    Spezialisierte Agenturen mit klarer Positionierung und standardisierbaren, produktisierten Leistungen werden höher bewertet als generalistische, weil sie planbarer und leichter zu skalieren sind. Eine klare Nische und wiederholbare Prozesse sind ein echter Wertvorteil.

    Wer Agenturen kauft

    Die Käuferlandschaft für Agenturen ist aktiv, vor allem durch Konsolidierung.

    Agenturnetzwerke und Holdings kaufen Agenturen, um Leistungen, Branchen oder Regionen zu ergänzen. Strategische Wettbewerber übernehmen, um Kunden, Talente oder Spezialwissen zu gewinnen. Private-Equity-Investoren verfolgen Buy-and-Build-Strategien und bauen aus mehreren Agenturen größere Gruppen auf. Welche Gruppe welche Logik verfolgt, erklärt unser Artikel zu den Käufergruppen im Mittelstand.

    So läuft der Agenturverkauf ab

    Der Ablauf folgt einem strukturierten M&A-Prozess mit agenturtypischen Schwerpunkten.

    Zuerst werden die Zahlen aufbereitet und das EBITDA sauber bereinigt, dazu die Vertragsstruktur, der Anteil wiederkehrender Umsätze und die Kundenliste analysiert. Dann folgt die diskrete Ansprache mehrerer passender Käufer parallel, um Wettbewerb zu schaffen, wie ihn unser Artikel zum Bieterwettbewerb beschreibt. In der Due Diligence prüfen Käufer besonders die Kundenbindung und die Inhaberabhängigkeit. Häufig wird ein Teil des Kaufpreises an den Verbleib des Inhabers und der Schlüsselkunden gekoppelt, etwa über eine Earn-out-Struktur.

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    Rechenbeispiel: Agenturbewertung

    Das Beispiel zeigt, wie stark das Geschäftsmodell den Wert verschiebt. Zwei Agenturen mit je 400.000 Euro bereinigtem EBITDA werden sehr unterschiedlich bewertet.

    AgenturEBITDAMultipleUnternehmenswert
    Inhabergeführt, projektbasiert400.000 €3x bis 4x1,2 bis 1,6 Mio. €
    Retainer-basiert, zweite Führungsebene400.000 €5x bis 7x2,0 bis 2,8 Mio. €

    Bei identischem Ergebnis entsteht ein Wertunterschied von rund einer Million Euro, allein durch Vertragsstruktur und Inhaberunabhängigkeit. Die Beträge sind indikativ und vereinfacht.

    Die Agentur verkaufsbereit machen

    Der Wert einer Agentur entsteht in den ein bis zwei Jahren vor dem Verkauf. Drei Hebel haben den größten Effekt.

    Erstens der Aufbau wiederkehrender Umsätze: Wer Projektkunden in laufende Verträge mit definierten Laufzeiten überführt, hebt Planbarkeit und Multiple. Zweitens die Reduktion der Inhaberabhängigkeit: Eine zweite Führungsebene und im Team verankerte Kundenbeziehungen senken das Übergaberisiko. Drittens die Verbreiterung der Kundenbasis: Wer die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden reduziert, entschärft das Klumpenrisiko. Diese Hebel zahlen direkt auf den erzielbaren Preis ein. Die strukturierte Vorbereitung leistet unser Exit-Consulting-Programm.

    Häufige Fehler beim Agenturverkauf

    Drei Fehler kosten beim Agenturverkauf am häufigsten Wert.

    Erstens die ungelöste Inhaberabhängigkeit: Wer die Kundenbeziehungen nicht ins Team verlagert hat, schreckt Käufer ab oder muss hohe Abschläge hinnehmen. Zweitens fehlende wiederkehrende Umsätze: Eine rein projektbasierte Agentur ist schwer zu bewerten und zu verkaufen. Drittens der Verkauf ohne Wettbewerb: Wer nur mit einem Interessenten verhandelt, verschenkt den Hebel, den mehrere Bieter erzeugen. Alle drei lassen sich mit Vorlauf vermeiden.

    Der richtige Zeitpunkt für den Agenturverkauf

    Wann eine Agentur verkauft wird, beeinflusst den Preis erheblich. Der beste Zeitpunkt ist selten der, an dem der Inhaber erschöpft ist und schnell raus will.

    Am wertvollsten ist eine Agentur, die stabil läuft, deren Kundenbeziehungen breit aufgestellt sind und deren Inhaber noch genug Energie hat, um eine geordnete Übergabe zu begleiten. Ein Käufer zahlt für eine Agentur mit Perspektive und intakter Mannschaft mehr als für eine, die sichtbar an Schwung verliert. Wer erst verkauft, wenn wichtige Kunden bereits abgesprungen sind oder das Team ausgedünnt ist, verliert Verhandlungsmacht.

    Auch die Vertragslage sollte zum Verkaufszeitpunkt günstig stehen. Laufende Retainer-Verträge mit ausreichender Restlaufzeit geben dem Käufer Sicherheit, während kurz vor dem Auslaufen stehende Verträge Unsicherheit erzeugen. Idealerweise sind die wichtigsten Kundenbeziehungen vor dem Verkauf verlängert und im Team verankert.

    In der Praxis bedeutet das, den Verkauf ein bis zwei Jahre im Voraus zu planen und in dieser Zeit gezielt an Inhaberunabhängigkeit, wiederkehrenden Umsätzen und einer breiten Kundenbasis zu arbeiten. Wer so vorgeht, verkauft aus einer Position der Stärke.

    Steuer beim Agenturverkauf

    Steuerlich gelten die üblichen Regeln, abhängig von der Rechtsform. Bei einer GmbH greift beim privaten Anteilsverkauf das Teileinkünfteverfahren mit rund 28,5%, über eine Holding ist der Gewinn nach § 8b KStG weitgehend steuerfrei. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften gilt der persönliche Steuersatz, ab 55 Jahren gemildert durch Freibetrag und ermäßigten Steuersatz. Die Details erklärt unser Überblick zur Steuer beim Unternehmensverkauf.

    Häufig gestellte Fragen

    Wie viel ist meine Agentur wert?

    Agenturen werden über das bereinigte EBITDA mal einem Branchenmultiple bewertet, im Mittelstand je nach Größe zwischen rund 3x und 7,8x. Wo Sie innerhalb der Spanne liegen, hängt vor allem vom Anteil wiederkehrender Umsätze und von der Inhaberabhängigkeit ab.

    Warum sind Agenturen schwer zu verkaufen?

    Weil ihr Wert oft an Personen und einzelnen Kundenbeziehungen hängt. Käufer fürchten, dass mit dem Inhaber oder einem Großkunden ein wesentlicher Teil des Geschäfts verschwindet. Genau deshalb sind Inhaberunabhängigkeit und wiederkehrende Verträge die wichtigsten Hebel, um eine Agentur verkäuflich und wertvoll zu machen.

    Was steigert den Wert einer Agentur?

    Vor allem ein hoher Anteil wiederkehrender Umsätze aus festen Verträgen, eine geringe Abhängigkeit vom Inhaber, eine breit gestreute Kundenbasis und eine klare Spezialisierung mit skalierbaren Leistungen. Diese Faktoren heben sowohl das Ergebnis als auch den angesetzten Multiple.

    Sollte ich vor dem Verkauf die Inhaberabhängigkeit reduzieren?

    Ja, das ist einer der wirksamsten Hebel. Eine zweite Führungsebene, im Team verankerte Kundenbeziehungen und dokumentierte Prozesse senken das Übergaberisiko und heben den Multiple. Idealerweise beginnt dieser Aufbau ein bis zwei Jahre vor dem Verkauf.

    Wer kauft Agenturen?

    Vor allem Agenturnetzwerke und Holdings, strategische Wettbewerber sowie Private-Equity-Investoren mit Buy-and-Build-Strategie. Strategen zahlen oft die höchsten Preise, Finanzinvestoren bewerten Skalierbarkeit und Plattformpotenzial.

    Wie hoch ist die Steuer beim Agenturverkauf?

    Das hängt von der Rechtsform ab. Bei GmbH-Anteilen aus dem Privatvermögen liegt die effektive Belastung über das Teileinkünfteverfahren bei rund 28,5%, über eine Holding nach § 8b KStG bei etwa 1,5% auf Holding-Ebene. Bei Personenunternehmen gilt der persönliche Steuersatz mit Vergünstigungen ab 55 Jahren.

    Wie lange dauert der Verkauf einer Agentur?

    Ein strukturierter Verkauf dauert in der Regel mehrere Monate. Eine saubere Aufbereitung der Zahlen, der Vertragsstruktur und der Kundenliste verkürzt den Prozess und stärkt die Verhandlungsposition.

    Was bedeutet eine Earn-out-Struktur beim Agenturverkauf?

    Beim Earn-out wird ein Teil des Kaufpreises an die künftige Entwicklung gekoppelt und erst später gezahlt, etwa an den Verbleib der Schlüsselkunden oder des Inhabers. Bei Agenturen ist das verbreitet, weil der Käufer das Risiko abfedern will, dass Kunden mit dem Inhaber abwandern.

    Wird eine Agentur nach Umsatz oder Gewinn bewertet?

    In der Regel nach dem bereinigten Gewinn, meist als EBITDA-Multiple. Der Umsatz allein sagt wenig über den Wert aus, weil Margen und Inhaberabhängigkeit stark variieren.

    Wie wichtig sind wiederkehrende Umsätze beim Agenturverkauf?

    Sehr wichtig. Planbare Umsätze aus laufenden Verträgen reduzieren das Risiko für den Käufer und heben den Multiple spürbar gegenüber einer rein projektbasierten Agentur.

    Kann ich meine Agentur verkaufen, wenn ich der wichtigste Kundenkontakt bin?

    Ja, aber meist mit Abschlägen oder einer längeren Übergangsphase. Wer die Kundenbeziehungen vor dem Verkauf ins Team verlagert, erzielt einen besseren Preis und einen reibungsloseren Übergang.

    Lohnt sich ein M&A-Berater beim Agenturverkauf?

    Bei einer Agentur ab einer gewissen Größe in der Regel ja. Ein strukturierter Prozess mit mehreren Interessenten erzeugt Wettbewerb und schützt sensible Daten wie die Kundenliste, was den erzielbaren Preis und die Sicherheit des Verkaufs erhöht.

    Welche Rolle spielt die Mitarbeiterbindung beim Agenturverkauf?

    Eine große. Bei Agenturen sind die Mitarbeiter der wichtigste Vermögenswert, weil Wissen und Kundenbeziehungen an ihnen hängen. Ein Käufer prüft genau, wie stabil das Team ist und ob Schlüsselpersonen nach dem Verkauf bleiben. Angemessene vertragliche Bindungen und eine gute Unternehmenskultur erhöhen den Wert und senken das Risiko, dass mit dem Inhaber auch das Team abwandert.

    Quellen und weiterführende Artikel

    1. DUB KMU Multiples, Q1/2026 (Medien, Marketing und Agenturen), https://www.dub.de/kmu-multiples/

    Weiterführend: EBITDA-Multiples nach Branchen, Wert der GmbH systematisch steigern und Steuer beim Unternehmensverkauf.

    Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung durch einen Steuerberater oder Rechtsanwalt. Die genannten Multiples sind Marktbeobachtungen und keine Zusage eines bestimmten Verkaufspreises.

    Über den Autor: Philipp Maßmann begleitet bei FISART Inhaberinnen und Inhaber mittelständischer Unternehmen durch den Verkaufsprozess, von der Bewertung bis zum Bieterwettbewerb. FISART ist die Investmentbank von Unternehmern für Unternehmer.

    Veröffentlicht am 24. Juni 2026. Zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2026.