Deal-Strategie10 Min. Lesezeit

    M&A-Berater oder selbst verkaufen: Was sich wirklich lohnt

    von Philipp Maßmann

    M&A-Berater oder selbst verkaufen: Was sich wirklich lohnt

    Lohnt sich ein M&A-Berater, oder verkaufen Sie Ihr Unternehmen besser selbst? Die ehrliche Antwort: Es hängt von Größe, Komplexität und Zielen ab. Bei kleinen, einfachen Übergaben kann der Eigenverkauf reichen. Bei allem darüber entscheidet ein strukturierter Prozess oft über sechs- bis siebenstellige Preisunterschiede. Dieser Leitfaden zeigt neutral, was ein Berater leistet, wann sich das rechnet und wann nicht.

    Der Artikel richtet sich an Inhaberinnen und Inhaber, die vor der Frage stehen, ob sie den Verkauf allein angehen. Eine Übersicht, was die Rolle umfasst, finden Sie auf unserer Seite zum M&A-Berater im Mittelstand.

    Das Wichtigste in Kürze:

    • Der größte Mehrwert eines M&A-Beraters entsteht über Wettbewerb, Verhandlung und Prozesssicherheit, nicht über das Finden eines einzelnen Käufers.
    • Beim Eigenverkauf fehlt meist der parallele Bieterwettbewerb, der den Preis treibt.
    • Ein Berater kostet typischerweise einen Retainer plus Erfolgshonorar, der Hebel auf den Kaufpreis ist oft größer als die Kosten.
    • Für sehr kleine, klare Übergaben an einen bekannten Käufer kann der Eigenverkauf ausreichen.
    • Diskretion, Zeit und Verhandlungsdistanz sind die unterschätzten Argumente für einen Berater.

    Was ein M&A-Berater tatsächlich leistet

    Ein guter M&A-Berater ist weniger Vermittler als Prozessmanager. Sein Wert liegt darin, aus einem Verkauf einen kontrollierten Wettbewerb zu machen und Sie durch ein komplexes Verfahren zu führen.

    Wettbewerb erzeugen

    Der wichtigste Hebel auf den Preis ist Konkurrenz unter Käufern. Ein Berater spricht eine breite, kuratierte Käuferliste parallel und diskret an und führt sie in einen strukturierten Prozess mit klaren Fristen. Warum das den Preis hebt, zeigt unser Artikel zum Bieterwettbewerb. Wer allein verkauft, verhandelt meist mit einem einzigen Interessenten und damit aus der schwächeren Position.

    Verhandeln aus der Distanz

    Im Verkauf des eigenen Lebenswerks fehlt die emotionale Distanz. Ein Berater verhandelt sachlich, kennt die Taktiken professioneller Käufer und kann hart auftreten, ohne die Beziehung zu beschädigen. Warum erste Angebote oft niedrig ausfallen, erklärt unser Artikel dazu, warum Käufer lowballen.

    Den Prozess steuern

    Von der Bewertung über Teaser, Vertraulichkeitsvereinbarungen, Datenraum und Due Diligence bis zum Kaufvertrag ist ein Verkauf ein Projekt über viele Monate. Ein Berater hält Tempo, Vertraulichkeit und Qualität, während Sie das Tagesgeschäft weiterführen.

    Wann sich ein Berater rechnet

    Ein Berater lohnt sich vor allem dann, wenn der Hebel auf den Preis und die Risikoreduktion seine Kosten übersteigen. Das ist häufiger der Fall, als Inhaber zunächst annehmen.

    Je höher der Unternehmenswert, je mehr potenzielle Käufergruppen infrage kommen und je komplexer Struktur und Verhandlung, desto größer der Mehrwert. Schon ein um wenige Prozentpunkte höherer Kaufpreis durch echten Wettbewerb übersteigt das Honorar meist deutlich. Hinzu kommt der Schutz vor teuren Fehlern in Vertrag, Garantien und Steuerstruktur. Welche steuerlichen Hebel auf dem Spiel stehen, zeigt unser Überblick zur Steuer beim Unternehmensverkauf.

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    Wann der Eigenverkauf ausreichen kann

    Es gibt Situationen, in denen Sie keinen Berater brauchen. Ehrlich gesagt lohnt er sich nicht in jedem Fall.

    Bei sehr kleinen Unternehmen, einer Übergabe an einen bereits feststehenden Käufer wie ein Familienmitglied oder einen langjährigen Mitarbeiter, oder bei einer simplen Struktur ohne mehrere Bieter kann der Eigenverkauf der pragmatische Weg sein. Auch dann sollten Sie Steuerberater und Rechtsanwalt für Bewertung, Vertrag und Steuer einbinden, denn die Fehlerquellen bleiben dieselben. Der Unterschied ist, dass ohne mehrere Interessenten der Preishebel des Wettbewerbs ohnehin entfällt.

    Die Risiken des Alleingangs

    Wer ohne Berater verkauft, trägt einige Risiken allein. Sie zu kennen hilft bei der Entscheidung.

    Erstens der Preis: Ohne parallelen Wettbewerb fehlt der stärkste Hebel, und der einzelne Käufer diktiert das Tempo. Zweitens die Diskretion: Eine breite Käuferansprache ohne professionelle Anonymisierung kann durchsickern und Mitarbeiter, Kunden und Wettbewerber verunsichern. Drittens die Zeit: Ein Verkauf bindet über Monate erhebliche Kapazität, die im Tagesgeschäft fehlt. Viertens die Verhandlung: Gegen erfahrene Käufer, die regelmäßig kaufen, ist der einmal verkaufende Inhaber strukturell im Nachteil. Diese und weitere offene Fragen behandelt unser Leitfaden mit ehrlichen Antworten zum Unternehmensverkauf.

    So entscheiden Sie

    Die Entscheidung lässt sich auf wenige Fragen herunterbrechen, die Sie ehrlich beantworten sollten.

    1. Kommen mehrere Käufergruppen infrage, oder gibt es nur einen naheliegenden Käufer?
    2. Ist die Transaktion groß und komplex genug, dass ein höherer Preis das Honorar übersteigt?
    3. Haben Sie Zeit und Nerven, den Prozess über Monate selbst zu führen?
    4. Brauchen Sie Diskretion gegenüber Mitarbeitern und Wettbewerbern?

    Je öfter Sie zugunsten von Wettbewerb, Komplexität, Diskretion und Entlastung antworten, desto eher lohnt sich ein Berater. Bei der kleinen, klaren Übergabe an einen feststehenden Käufer spricht mehr für den Eigenverkauf mit Unterstützung von Steuerberater und Anwalt.

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    Der Ablauf eines begleiteten Verkaufs

    Ein begleiteter Verkauf folgt klaren Phasen. Wer sie kennt, sieht, was beim Eigenverkauf alles selbst zu leisten wäre.

    In der Vorbereitung entstehen Bewertung, bereinigtes EBITDA und die Verkaufsunterlagen. Es folgt die diskrete Ansprache einer kuratierten Käuferliste und die Steuerung der Interessenten in einen Prozess mit klaren Fristen. Nach Absichtserklärung und Due Diligence werden Kaufvertrag und Garantien verhandelt, bis zum Closing. Über alle Phasen hinweg hält der Berater Tempo, Vertraulichkeit und Verhandlungsdruck aufrecht. Den vollständigen Ablauf finden Sie auf unserer Seite zum Unternehmen verkaufen.

    Was der Eigenverkauf wirklich verlangt

    Wer ohne Berater verkauft, übernimmt all diese Aufgaben selbst, zusätzlich zum Tagesgeschäft. Machbar ist das, anspruchsvoll bleibt es.

    Dazu gehören eine belastbare Bewertung, die Recherche und Ansprache passender Käufer, das Aufsetzen von Vertraulichkeitsvereinbarungen, der Aufbau eines Datenraums, die Begleitung der Due Diligence und die Verhandlung von Kaufpreis, Garantien und Steuerstruktur. Jeder einzelne Schritt birgt Fehlerquellen, die im Zweifel mehr kosten als ein Honorar. Realistisch braucht es dafür Zeit, Erfahrung und Distanz, die im laufenden Betrieb oft fehlen. Wie hoch dabei die steuerlichen Hebel sind, zeigt unser Überblick zur Steuer beim Unternehmensverkauf.

    Praxisbeispiel: was Wettbewerb bewirkt

    Ein kurzes, illustratives Beispiel zeigt den Effekt. Ein Inhaber erhält von einem einzelnen Interessenten ein Angebot, das auf den ersten Blick attraktiv wirkt. Erst als im strukturierten Prozess mehrere Käufer parallel bieten, wird sichtbar, wo der Markt wirklich steht.

    In solchen Konstellationen liegt das beste Angebot am Ende häufig spürbar über der ersten Indikation, weil Wettbewerb die Zahlungsbereitschaft offenlegt. Der Unterschied entsteht durch Konkurrenz und durch eine Verhandlung, die aus einer Position der Stärke geführt wird. Genau das leistet ein begleiteter Prozess, und das ist der Grund, warum sich das Honorar in vielen Fällen mehr als bezahlt macht. Das Beispiel ist allgemein gehalten und keine Zusage eines bestimmten Ergebnisses.

    Häufig gestellte Fragen

    Lohnt sich ein M&A-Berater wirklich?

    In den meisten Fällen ab einer gewissen Unternehmensgröße ja, weil der Mehrwert über Wettbewerb, Verhandlung und Prozesssicherheit entsteht und nicht nur über das Finden eines Käufers. Schon ein um wenige Prozentpunkte höherer Kaufpreis übersteigt das Honorar oft deutlich. Bei sehr kleinen, einfachen Übergaben kann der Eigenverkauf ausreichen.

    Kann ich mein Unternehmen ohne Berater verkaufen?

    Ja, möglich ist es. Sinnvoll ist der Eigenverkauf vor allem bei kleinen Unternehmen und einem bereits feststehenden Käufer. Steuerberater und Rechtsanwalt sollten Sie auch dann einbinden, weil Bewertung, Vertrag und Steuerstruktur dieselben Fehlerquellen bergen.

    Was kostet ein M&A-Berater?

    Üblich ist ein hybrides Modell aus einem monatlichen Retainer und einem Erfolgshonorar, das prozentual am Kaufpreis hängt. Die Details und Bandbreiten erklärt unser Artikel zu Honorarmodellen sowie Boutique und Großbank.

    Was ist der größte Vorteil eines Beraters gegenüber dem Eigenverkauf?

    Der parallele Bieterwettbewerb. Ein einzelner Käufer hat wenig Anreiz, seinen besten Preis zu bieten. Mehrere Interessenten, die gleichzeitig in einem geordneten Verfahren bieten, treiben den Preis und verbessern die Bedingungen.

    Bei welcher Unternehmensgröße lohnt sich ein Berater?

    Eine feste Grenze gibt es nicht, aber je höher der Wert und je mehr potenzielle Käufer, desto klarer der Mehrwert. Für sehr kleine Betriebe unter den üblichen Mindesthonoraren kann der Eigenverkauf wirtschaftlicher sein.

    Verliere ich beim Eigenverkauf wirklich Geld?

    Nicht zwangsläufig, aber das Risiko ist höher. Ohne Wettbewerb und ohne erfahrene Verhandlungsführung bleibt häufig Geld auf dem Tisch, und Fehler in Vertrag oder Steuer kosten zusätzlich. Den Effekt sehen Sie selten, weil Ihnen die Vergleichsangebote fehlen.

    Wie lange dauert ein Verkaufsprozess?

    Von der Vorbereitung bis zum Closing vergehen im Mittelstand typischerweise mehrere Monate, oft sechs bis zwölf. Die Bewertung und Aufbereitung am Anfang sowie die Due Diligence am Ende sind die zeitintensivsten Phasen.

    Kann ich erst selbst starten und später einen Berater holen?

    Das ist möglich, aber heikel. Wer vorab unkoordiniert Käufer angesprochen oder Informationen gestreut hat, verengt den Spielraum und gefährdet die Diskretion. Sauberer ist es, die Strukturfrage vor der ersten Ansprache zu klären.

    Was bringt es, mehrere Berater anzusprechen?

    Vor dem Mandat lohnt sich der Vergleich. Achten Sie dabei nicht nur auf das Honorar, sondern auch darauf, wer Ihren Deal persönlich führt und wie breit der Käuferzugang ist. Worauf es bei Auswahl und Honorar ankommt, zeigt unser Artikel zu Boutique, Großbank und Honorarmodellen.

    Bezahle ich den Berater auch, wenn nicht verkauft wird?

    Das hängt vom Vertrag ab. Üblich ist ein laufender Retainer, während das Erfolgshonorar nur bei Abschluss fällig wird. Klären Sie vorab, welche Kosten entstehen, wenn kein Verkauf zustande kommt.

    Kann ein Berater den Verkauf beschleunigen?

    Oft ja, weil er Prozess, Unterlagen und Käuferansprache parallel und routiniert steuert, statt sie neben dem Tagesgeschäft zu lernen. Ein sauber vorbereiteter Datenraum vermeidet zudem Verzögerungen in der Due Diligence.

    Was kostet mich ein gescheiterter Verkaufsprozess?

    Auch ein Verkauf, der nicht zustande kommt, bindet Zeit und gegebenenfalls Retainer. Ein erfahrener Berater senkt dieses Risiko, indem er die Verkaufsreife vorab realistisch einschätzt und den Prozess erst startet, wenn die Voraussetzungen stimmen.

    Hilft ein Berater auch bei einer Übergabe in der Familie?

    Ja. Auch wenn der Käufer feststeht, profitieren Sie von einer fundierten Bewertung, einer sauberen Struktur und der steuerlichen Gestaltung. Den Wettbewerbshebel brauchen Sie dann nicht, die Prozess- und Vertragssicherheit aber sehr wohl.

    Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich ein M&A-Berater?

    Eine feste Schwelle gibt es nicht, entscheidend sind Komplexität, Käuferkreis und Wert. Je mehr potenzielle Käufergruppen infrage kommen und je höher der Wert, desto stärker wiegt der Hebel eines echten Wettbewerbs. Bei sehr kleinen, einfachen Übergaben an einen bereits feststehenden Käufer kann der Eigenverkauf mit punktueller anwaltlicher und steuerlicher Begleitung ausreichen.

    Kann ich Teile des Verkaufs selbst machen und nur punktuell Beratung zukaufen?

    Das ist möglich, hat aber Grenzen. Einzelne Bausteine wie Vertragsprüfung oder Steuergestaltung lassen sich gezielt einkaufen. Der wertbestimmende Teil, die diskrete Ansprache vieler Käufer und die Steuerung des Wettbewerbs, lässt sich jedoch kaum stückweise abbilden. Genau dort entsteht der Mehrwert eines durchgängig geführten Prozesses.

    Quellen und weiterführende Artikel

    Vertiefend finden Sie unsere Seite zum M&A-Berater im Mittelstand, den Artikel zum Bieterwettbewerb und die Übersicht der Käufergruppen im Mittelstand.

    Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Ob und welcher Beratungsansatz für Sie passt, hängt von Ihrer Situation ab.

    Über den Autor: Philipp Maßmann begleitet bei FISART Inhaberinnen und Inhaber mittelständischer Unternehmen durch den Verkaufsprozess, von der Bewertung bis zum Bieterwettbewerb. FISART ist die Investmentbank von Unternehmern für Unternehmer.

    Veröffentlicht am 23. Juni 2026. Zuletzt aktualisiert am 23. Juni 2026.